Hundeverstand – kognitive Fähigkeiten

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Was hat ein Hund noch im Kopf?

Hundeverstand. Hunde und Verstand – zwei Welten treffen aufeinander, will man meinen. In Wirklichkeit sind Hunde erstaunlich intelligent, und übertreffen zum Teil Menschenaffen und Kleinkinder. Kurz gesagt: Hunde sind Meister der sozialen Intelligenz, ausgezeichnete Humanethologen, aber nur minder begabte Physiker, denn von ihrer unbelebten Umwelt verstehen sie nicht viel.

Das haben Hunde  im Kopf:

Weiß ein Hund, wann und ob sein Mensch ihn sehen kann? Wann er dessen Aufmerksamkeit hat und deshalb lieber ganz brav sein sollte?

Das verbotene Futter, dass in der Zimmermitte liegt, nimmt er jedenfalls nur selten, wenn der Mensch ihn beobachtet. Anders, wenn der Mensch abgelenkt ist oder die Augen geschlossen hält. Jetzt greift er häufiger zu. Manche Hunde nehmen das Futter auch, wenn sie beobachtet werden, aber mit einem „schlechten Gewissen“. Sie zeigen dabei deutlich, dass sie wissen, dass sie etwas Verbotenes tun.

Hunde wissen auch genau, bei wem sie betteln müssen: nämlich dem Menschen, der ihnen zugewandt ist und/oder seine Bemühungen sehen kann. Sitzen zwei Menschen dem Hund zugewandt an der gedeckten Tafel, jeder mit einem Tuch um den Kopf, dann bettelt der Hund bei dem, der das Tuch um die Stirn trägt, nicht um die Augen. Mit verbundenen Augen kann man nichts sehen. Das weiß auch Fido und der Mensch kann seine Mahlzeit unbehelligt zu sich nehmen. (Falls es vorher nicht gelungen ist, ihm das Betteln abzugewöhnen , Hundeerziehung heißt das Zauberwort 😉 )

Auch wenn er einen Gegenstand bringen soll, legt er den bevorzugt im Gesichtsfeld des Menschen ab. Das haben Experimente gezeigt, bei denen der Empfänger dem Hund manchmal zugewandt war und manchmal abgewandt. Er weiß also, dass der Mensch „hinten keine Augen hat“.

Der Hund erkennt sehr wohl, ob und wann der Mensch ihn sehen kann. Er achtet sogar darauf, ob die Augen offen oder geschlossen sind. Eine erstaunliche Leistung, die Menschenaffen bisher im Experiment nicht gezeigt haben.

Und trägt der Mensch bei der Kommunikation mit dem Hund, zB während des Trainings, eine Sonnenbrille, hat der Hund ggroße Schwierigkeiten zu erfassen, was von ihm verlangt wird. Diese Information verdanke ich einem mir namentlich leider nicht bekannten Ausbilder für Rettungshunde 🙂

Versteht er, was er sieht?

Kaum.
Futter wird für den Hund sichtbar oder nicht sichtbar in einer Schachtel abgelegt. Der Hund kann das Futter erlangen, indem er einen Hebel betätigt, der an der Schachtel angebracht ist. Natürlich muss er sich für die richtige Schachtel entscheiden.

Er darf vorher nachgucken, in welcher Box sich das Futter befindet. In manchen Fällen sieht Fido, in welcher Box das Futter abgelegt ist, in manchen nicht. Überprüfen kann er das immer. Aber Fido prüft nicht sondern entscheidet sich sofort für eine Box. Unabhängig davon, was er vorher beobachtet hat. Menschenaffen haben hier keine Probleme. Aber unser Fido hat nicht verstanden, welche Möglichkeiten er hier verschenkt.

Lernen Hunde durch Beobachtung?

Hunde lösen Probleme schneller, wenn sie deren Lösung vorher beobachten können.
Die Situation: Futter und Hund sind durch einen Zaun voneinander getrennt. Um an das Futter zu gelangen, muss der Hund um den Zaun herumlaufen. Es fällt Fido ziemlich schwer, dieses Problem alleine zu lösen.

Hunde, die irgendjemand dabei beobachten konnten, wie er um den Zaun zum Futter läuft, kommen viel schneller auf die Lösung. Dabei ist es egal, ob es sich bei „irgendjemand“ um Mensch, Hund oder ferngesteuertes Spielzeug handelt. Bewegung in der Nähe des Problems zu beobachten reicht für die Hunde aus, selbst eine Lösung zu entwickeln.

Sie lernen nicht direkt durch Beobachtung und Imitation, sondern entwickelen eine eigene Strategie, auf die sie durch lokale Verstärkung kommen. Lokale Verstärkung ist ein Mechanismus, bei dem ein Tier seine Aufmerksamkeit und/oder Aktivität auf einen Ort richtet, an dem es zuvor etwas oder jemand beobachtet hat.

Verstehen Hunde kommunikative Zeichen?

Um das zu klären führt man Objekt-Wahl-Tests durch: In einem von zwei identischen Bechern wird für den Hund unsichtbar eine Belohnung versteckt. Der Hund muss den richtigen Becher wählen. Vom Menschen erhält er einen deutlichen Hinweis: Er zeigt darauf. Hunde haben keine Schwierigkeiten, diese Zeigegesten zu verstehen, egal wie dezent sie ausfallen. Auch ein Blick genügt schon für die richtige Wahl.

Ohne Zeigegeste fällt keine Entscheidung. Das ist wichtig, denn es zeigt, dass nicht der Geruch des Futters die Entscheidungshilfe ist, sondern die Geste des Menschen.

Diese Fähigkeit, menschliche kommunikative Gesten zu verstehen ist den Hunden angeboren. Hundewelpen, die ohne menschlichen Kontakt aufwachsen verstehen sie immer noch besser als von Menschenhand aufgezogene Wölfe. Menschenaffen scheitern dagegen an der Aufgabe, kommunikative Gesten des Menschen zu deuten.

was versteht er von seiner Umwelt?

P1000995Objekt-Permanenz bezeichnet das Verstehen, das Dinge auch noch existieren, wenn man sie nicht sehen kann. Vor den Augen des Hundes wird eine Belohnung hinter einer von mehreren identischen Barrieren versteckt. Wo sucht der Hund? Hinter der richtigen. Für „Fortgeschrittene“ legt man den Ball vor den Augen des Hundes in einen Behälter, verschwindet mit dem Behälter hinter einer Barriere, kehrt mit dem leeren Behälter zurück und zeigt ihn dem Hund. Auch das meistert Fido, aber er schneidet schlechter ab. Es ist schwer für ihn, nachzuvollziehen, wie versteckte Gegenstände für ihn unsichtbar bewegt werden. Er kann sich nicht vorstellen, wie der Ball aus dem Behälter hinter die Barriere gelegt wird.

Versteckt man etwas hinter einer von mehreren Barrieren, sucht der Hund alle ab, wenn er nicht weiß, wo die Belohnung versteckt ist. Aber er wird dabei immer entmutigter, wenn er an mehreren Stellen nichts gefunden hat. Er hat nicht verstanden, dass die Belohnung, wenn er sie nirgends gefunden hat, am letzten möglichen Ort versteckt sein muss.

Zahlen und Mengen

Wie wir wissen ist 1+1=2. Weiß Fido das auch? In einer Versuchsanordnung wurden den Hunden nacheinander ein Futterstück präsentiert, anschließend noch eines und abschließend das Summe der kleinen Addition. Allerdings wurden gelegentlich Rechenfehler eingebaut. Manchmal waren abschließend drei oder nur ein Futterstück statt der korrekten Zwei da.

Wundern sich die Hunde?
Wenn Probanden nicht sprechen können, also Kleinkinder oder Tiere, nimmt man als Maß für die Verwunderung die Zeit, die ungewöhnliche Situationen betrachtet werden. Ungewöhnliches wird länger betracht als Normales. Und in der Tat schienen die Hunde mit den Ergebnissen „Eions“ bzw „Drei“ nicht ganz einverstanden zu sein, denn sie betrachtete diese Anordnungen länger.

Sprachverständnis

Um Sprache verstehen zu können muss man selbst auch sprechen können, glaubte man lange. Dann kam Rico, der berühmte Bordercollie, der über 200 Spielzeuge beim Namen kannte. Und er konnte noch mehr: Wenn man zu seinen bekannten Spielzeugen ein neues, unbekanntes legte und ihm einen Begriff nannte, den er noch nie gehört hatte, und ihn bat, diesen zu bringen, brachte er ihn 7 von 10 Fällen das unbekannte, neue Spielzeug.

In seinem Gehirn ist folgendes abgelaufen: Hier liegen Fritz, Fratz, Friederich und noch ein Ding. Ich soll den Kochlöffel holen. Dann wird das Ding wohl der Kochlöffel sein.

„Nicht schlecht für’n Hund“ – oder?

Diese Fähigkeit bezeichnet man als fast mapping – schnelle Zuordnung. Bisher glaubte man, dass nur der Mensch sie besitzt. Das Gehirn arbeitet dabei im Ausschlussverfahren. Es erbringt eigenständige Transferleistungen und lernt durch Einsicht. Kinder erwerben ihren Wortschatz nach diesem Prinzip. Und auch bei Fido klappt’s, denn nach mehreren Wochen kann er sich immer noch an die Begriffe erinnern und ordnet sie (meist) richtig zu.

Wörter lernen mit der Model-Rival-Methode

Eine andere Methode, Hunden die Bedeutung von Begriffen beizubringen ist die Model-Rival-Methode. Dabei ist der Hundeschüler nur passiver Beobachter.

Der Hund verfolgt dabei einen Dialog zwischen zwei Menschen und erschließt durch Beobachtung die Bedeutung von Gegenständen. Model-Rival-Methode nennt sich das deswegen, weil der Mensch einerseits das Vorbild ist, von dem man das Wissen abgreift, andererseits Konkurrent um den Besitz des begehrten Objekts.

Physik

Wenn man etwas fallen lässt, fällt es in gerader Linie auf den Boden. Weiß das ein Hund? Stellt man mehrere Behälter auf und befindet sich über einem von ihnen ein Rohr, durch das man das Futter fallen lässt, sucht er in der Schüssel, die sich unter dem Rohr befindet. Er versteht, dass das Futter in gerader Linie nach unten fällt.

Hält man das Rohr aber schräg, so dass das Futter abgelenkt wird, sucht er immer noch unter dem Einwurf und nicht unter dem Ausgang. Er hat nicht verstanden, dass das Futter in der Röhre abgelenkt wird. Aber er lernt, dass das Futter – warum auch immer – jetzt nicht mehr einfach runterfällt. Dann entwickelt er eine Strategie. Vielleicht sucht er immer in der rechten Schüssel, egal in welche Richtung die Röhre abgelenkt ist. Er hat’s nur halb verstanden. Aber mit seiner Strategie hat er in 50% der Fälle Erfolg.

Auch nicht schlecht

Die Wurst an der Schnur

Hunde lernen schnell, ein Stück Futter, das für sie unerreichbar, aber an einer Schnur befestigt ist mit Pfoten oder Schnauze zu erreichen. Legt man als Attrappe eine zweite Schnur dazu, haben die Hunde eine Wahlmöglichkeit und müssen entscheiden, an welcher Schnur sie ziehen. Für die richtige Entscheidung müssen sie den Verlauf der Schnur verfolgen. Das tun sie aber nicht. Sie wählen immer das Ende, das dem Futter am nächsten ist, auch wenn die Schnüre gekreuzt sind.

Wenn Hunde etwas sehen, verstehen sie, dass es da ist. Verstehen sie das auch, wenn sie es nur hören, beispielsweise das Klappern von Futter in einer Dose?

Schüttelt man die Dose mit dem Futter, wählen die Hunde diese Dose. Schüttelt man dagegen die leere Dose, entscheiden sie sich für die leere Dose. Sie verstehen nicht den Zusammenhang zwischen Geräusch und Futter sondern vermuten einen sozialen Hinweis durch den Menschen. Menschenaffen haben hier keine Probleme.

Nicht nur Hunde haben was auf dem Kasten. Auch andere Tiere sind klüger als wir denken.

Was geht vor in seinem Hundekopf?

Es gibt Leuet die glauben, dass Hunde nicht denken können. Hunde denken trotzdem. Ein Hundekopf unterscheidet sich nicht sehr von unserem. Das Gehirn von Hund und Mensch ist aus denselben Strukturen aufgebaut, nur sind die „Schwerpunkte“ anders verteilt. Kleine Ursachen machen hier große Unterschiede. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Großhirnrinde.

Schon mal beobachtet? Ein Hund denkt und lernt eigentlich genauso wie ein Mensch: Er erlebt etwas, merkt es sich, erinnert sich daran und zieht seine Schlüsse.
Die sind oft falsch. Das ist der größte Unterschied zwischen Hundekopf und Menschenkopf.
Es wird oft so dargestellt, als würden Hunde hauptsächlich durch operante Konditionierung lernen. Aber viele Lernprozesse sind dafür viel zu langsam. Auch hat man bei Hunden Lernvorgänge entdeckt, von denen man glaubte, dass nur Menschen dazu fähig seien.

Das Säugetiergehirn

Das Gehirn eines Säugetieres lässt sich in verschiedene Abschnitte gliedern. Salopp gesprochen sind diese umso „primitiver“ je näher sie am Rückenmark liegen und um so „moderner“, je weiter sie davon weg sind – räumlich betrachtet.Gehirne sind erstaunlich komplexe Organe. In der Masse eines Sandkorns arbeiten 100 000 Nervenzellen oder Neuronen. Jede von ihnen steht über Synapsen mit Tausenden anderer Zellen in Verbindung.

Neuronen

Die Nervenzellen bestehen aus einem Körper, dem Soma, mit einem langen Fortsatz, dem Axon. Innerhalb der Nervenzelle werden Reize elektrisch entlang des Axons geleitet. Am Ende des Axons befinden sich die Synapsen, die Schaltstellen zwischen den Nervenzellen. Hier wird das elektrische Signal in ein chemisches umgewandelt: die Synapse setzt biochemische Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter frei, die an der benachbarten Nervenzelle andocken und dort wieder ein elektrisches Signal auslösen.

Aufbau des Gehirns

Der ursprünglichste Bereich ist die Medulla, das verlängerte Mark. Hier werden Vitalfunktionen wie zum Beispiel die Atmung kontrolliert. Im Cerebellum, dem Kleinhirn, wird die Raumorientierung und exakte Bewegung der Gliedmaßen „verwaltet“. Dazu werden die der Signale von Propriorezeptoren, akustischen und optischen Reizen ausgewertet.Propriorezeption ist die Wahrnehmung der Lage des eigenen Körpers im Raum. Sie sorgt dafür, dass wir – und unser Hund – wissen, wo wir gerade unsere Pfoten haben und bei Dunkelheit, wenn wir unsere Füße nicht sehen können, nicht einfach zusammenbrechen.

Im Mittelhirn werden Emotionen und Erinnerungen verarbeitet. Ein wichtiger Bestandteil des Mittelhirns ist das limbische System, das sich wiederum aus verschiedenen Bestandteilen, unter anderem dem Mandelkern (Amygdala) und dem Hippocampus zusammensetzt. Es entscheidet darüber, wie wir die Welt wahrnehmen und ist für unsere Emotionen verantwortlich.

Die Sinnesorgane liefern neutrale Informationen an das Gehirn. Der Mandelkern versieht sie mit einer emotionalen Bedeutung. Im Hippocampus werden diese Informationen dann mit Erinnerungen abgeglichen und an die Großhirnrinde weitergeleitet.

Das Großhirn ist der modernste Bereich des Säugerhirns. Hier findet bewusstes Denken und Planen statt. Das Großhirn ist das übergeordnete Zentrum sensorischer und motorischer Funktionen.

In der Großhirnrinde, dem Cortex, entsteht unser Bild von der Welt. Jeder individuelle Cortex liefert sein eigenes Bild. Das liegt daran, dass von den Unmengen der Information, die auf ein Gehirn einströmen nur ein Bruchteil bewusst wahrgenommen wird. Der Rest fällt durch ein Raster. Was durchfällt und was hängen bleibt ist von individuellen Erfahrungen abhängig.

Artübergreifend auch vom unterschiedlichen Input. Ein Hund, dessen Hauptsinnesorgan die Nase ist, sieht die Welt im wahrsten Sinne mit anderen „Augen“.

Die Großhirnrinde

Bei Säugetieren dominiert der Neocortex. Hier werden die im Gehirn einlaufenden Informationen in verschiedenen Arealen abgebildet. In diesen Bereichen entstehen detaillierte Bilder. Ein Lichtblitz, der in einer bestimmten Region des Sehfeldes im Auge ankommt, erzeugt an einer ganz bestimmten Stelle des visuellen Cortex Nervenimpulse.

Neben diesen spezifischen, sensorischen Feldern gibt es noch unspezifische Areale, den Assoziationscortex. Dort werden Informationen aus verschiedenen Sinnesgebieten verarbeitet. Es werden Handlungsentwürfe gebildet, bei denen frühere Erlebnisse eine Rolle spielen, die aus dem Langzeitgedächtnis stammen.

Im Assoziationscortex findet das bewusste Denken und Entscheiden statt. Er macht beim Menschen 80% des Neocortex aus, bei Ratten nur 10%.

Denken Hunde anders als wir?

Die Rohdaten, die die Sinnesorgane liefern, werden in den Frontallappen der Großhirnrinde verarbeitet. Die Großhirnrinde steht mit allen anderen Bereichen des Gehirns in Verbindung. Eine gut entwickelte Großhirnrinde ist die Voraussetzung für eine effektive Datenprozessierung, meint die autistische Tierforscherin Temple Grandin . Sie sieht den Hauptunterschied zwischen Mensch und Tier darin, dass die Kommunikation der Großhirnrinde mit den restlichen Hirnregionen bei anderen Tieren nicht so intensiv ist, wie beim Menschen. Einfach, weil die Großhirnrinde weniger gut entwickelt ist.

Das menschliche Gehirn liefert dem Bewußtsein ein stark prozessiertes Bild. Das führt auch dazu, dass wir manche Dinge nicht sehen, weil unser Gehirn sie als unwichtig ausfiltert. Viele Menschen, die sich darauf konzentrieren, bei einem Basketballspiel die Körbe zu zählen, sehen nicht, wenn ein als Gorilla verkleideter Mensch das Spielfeld betritt.

Das würde einem Hund nie passieren. Andere Tiere nehmen statt des fertigen Bildes einzelne Details wahr. Die Daten, die ihr Bewußtsein erreichen sind weniger stark verarbeitet. Sie sehen die Körbe, vermutlich den Ring und das Netz extra, verschiedene Spieler, Hosen, Hemden, den Ball, die Spielfeldmarkiereung – und eben auch den Gorilla. Menschen sehen dagegen das Bild eines Basketballspiels. Der Gorilla passt nicht dazu und wird gelöscht.

Temple Grandin interpretiert das Verhalten von Tieren mit den Besonderheiten ihrer eigenen Wahrnehmung als Autistin. Eine Hypothese, die man nie beweisen kann, aber der Erfolg gibt ihr recht.

Eine weniger entwickelte Großhirnrinde bedeutet auch einen kleineren „Arbeitsspeicher“. Mit einer kleineren Großhirnrinde kann man oft nicht genug Einzelheiten im Kopf behalten, um Probleme lösen zu können. Wenn ein Hund sich mit seiner Leine um einen Baum wickelt und sich nicht befreien kann, liegt das daran, dass er schlicht nicht mehr weiß, wie er in diese Situation geraten ist – und das womöglich für jeden einzelnen Versuch, das Problem zu lösen.

Emotionen

Im Palaeocortex in der Tiefe des Großhirns und teilweise im Mittelhirn befindet sich das limbische System, die Kommandozentrale der Emotionen. „Richtiges“ Verhalten fühlt sich gut an. Es erzeugt Emotionen, die uns Säugern sagen: „Das war gut so, das mach ich wieder“. Neurobiologen sehen die Funktion von Emotionen darin, Kontakt zwischen Gehirn und Körper zu halten.

Das würde bedeuten, dass alles umgekehrt ist. Wir sind nicht wütend und schütten als Folge dessen Adrenalin aus. Sondern: Hoppla, Adrenalin: Ich bin WÜTEND!!!

Wenn das biochemische Cocktail, das einer bestimmen Emotion entspricht, angerichtet ist, nippt unser Gehirn daran und freut sich – oder wird wütend, oder traurig – was auch immer.

Mehr über Emotionen der Hunde gibt es auf der Forschungsseite.

eine kleine Kuschelgeschichte

Berührungen, die der Hund als angenehm empfindet, führen zu einer Ausschüttung von Oxytocin. Dabei sind die Intensität und Dauer der Berührung entscheidend. Oxytocin ist das „Kuschelhormon“, der Gegenspieler von Hormonen, die bei Stress ausgeschüttet werden, wie Adrenalin, Vasopressin oder Cortison. Oxytocin wird im Hypothalamus gebildet. Es beeinflusst soziale Interaktionen und wird mit Emotionen wie Liebe, Ruhe und Vertrauen in Verbindung gebracht. Auch hier unterscheiden wie uns nicht von unserem Hund.

Auch ein sanfter, liebevoller Blick tief in die Augen liefert Oxytocin. Wieder mal ist es egal, wer wen anschaut…




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