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Hundesprache

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Dieser Hund könnte glücklicher aussehen…

Hunde kommunizieren mit Lauten, Körperhaltung und Mimik. Im Vergleich zu Wölfen zeigen unsere Haushunde allerdings weniger Ausdrucksformen. Im Allgemeinen gilt, je wolfsähnlicher ein Hund aussieht, desto mehr verschiedene Ausdrucksformen benutzt er. Am Ende der Skala steht übrigens der Chevalier King Charles Spaniel.

Die Hundesprache folgt den Gesetzen der Antithese: Gegensätze bedeuten Gegensätzliches. Je tiefer die Lautäußerung, desto bedrohlicher, je höher, desto unterwürfiger.

Auf die Haltung kommt es an

Eine aufrechte Körperhaltung mit aufgerichteter Rute, eventuell gesträubten Nackenhaaren signalisiert Selbstvertrauen und Zuversicht. Durch das Aufrichten der Nackenhaare und der Rute werden Duftmoleküle aus der Anal- und Schulteregion und freigesetzt. Aufgestellte Nackenhaare sind ein Zeichen von Erregung, NICHT Angst oder Aggression. Sich Ducken und die Rute zwischen die Beine klemmen signalisieren das Gegenteil.

Es ist unwichtig wie groß ein Hund ist. Es zählt allein Körperhaltung. So kann es vorkommen, dass ein deutscher Schäferhund vor einem Jack Russell Terrier salutiert.

Wedeln ist nicht gleich Wedeln

Mit seiner Rutenhaltung kann ein Hund mehr als zehn Gemütslagen ausdrücken. Je schneller und tiefer der Schwanz wedelt, desto unterwürfiger ist der Hund. Wedelt der Schwanz langsam und steif, ist das eine Drohung. Wenn sich ein Hund freut, wedelt er quasi mit dem ganzen Körper oder zeichnet große Kreise in die Luft.

Es ist ein nicht auszurottender Mythos, dass Hunde sich IMMER freuen, wenn sie mit dem Schwanz wedeln. Das stimmt nicht. Eigentlich wedelt er fast immer…

Die Mischung macht’s

Die Ohren können aufmerksam aufgerichtet sein, entspannt zur Seite hängen oder angelegt sein. Angelegte Ohren signalisieren Unsicherheit und Angespanntheit. Kurze Mundwinkel sind ein Zeichen von Aggression, nach hinten gezogene signalisieren Unsicherheit und Unterwerfung. Man spricht auch von einem submissiven Grinsen. Insgesamt verfügt die Hundesprache durch Kombination der verschiedenen Signale über ein großes Vokabular.

… und Übung

Hunde „sprechen“ ist ziemlich schnell, eigentlich fast zu schnell für unsere Wahrnehmung.  Das liegt auch daran, dass Hunde auch sonst schneller sind als wir. In einen Menschanaugenblick passen tatsächlich mehrere Hundeaugenblicke. Das hat mit der höhreren Flickerrate des Hundeauges zu tun. Wer die Hundesprache verstehen will, braucht deshalb eine Menge Übung. Am besten eignet sich Vidematerial, denn das können wir notfalls auf unser Tempo drosseln, um überhaupt etwas zu sehen.

Calming Signals

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…und zeigt prompt Licking Intentions

Calming Signals sind Beschwichtigungszeichen die zur Abschwächung oder Vermeidung aggressiven Verhaltens dienen. Diese Gesten sind immer an ein Individuum gerichtet. Dadurch unterscheiden sie sich von Übersprungshandlungen, die unter Stress und Anspannung gezeigt werden können.

Als Calming Signals werden Pföteln, Schnauzenstösse, Licking Intentions (ein kurzes Lecken der Lippen), Blinzeln, ein abgewendeter Blick, Abwenden des Körpers oder eine Verlangsamung der Bewegungen gezeigt.

Calming Signals sind oft sehr kurzlebig. Man muss sehr genau beobachten, um sie nicht zu übersehen. Manchmal dauern sie auch ein bisschen länger, aber der Mensch versteht nicht was er sieht, oder kann sich seine Wut trotzdem nicht verkneifen.

Mein Freund Charly ist mal für einen kurzen Sprint aus dem Halsband geschlüpft und davongespurtet. Als er wieder kam, zeigte er das, was man salopp – und fälschlicherweise – als „schlechtes Gewissen“ bezeichnen würde: er kam ganz langsam, mit übertriebenen Bewegungen und pfötelnden Schritten. Calming Signals um meiner Aggression vorzubeugen.

Und wenn mein Freund Wilhelm etwas angestellt hatte und seinen Anpfiff kassierte, wendete er den Blick ab. Ebenfalls Calming Signals, die man nicht mit Arroganz verwechseln sollte… – nach dem Motto: „sieh mich an, wenn ich mit dir rede!!!“ Der Hundeknigge gebietet in dieser Situation, den Blick abzuwenden.

Turid Rugaas hat den Calming Signals übrigens ein ganzes Buch gewidmet: Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde die es auch als DVD gibt: Calming Signals, 1 Videocassette [VHS]

Hier sind nur die gröbsten Grundlagen der Hundesprache angeführt. In schriftlicher Form ist das allerdings ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Schriftlich. Man muss Hunde sehen, wenn man ihre Sprache verstehen möchte – und am besten in bewegten Bildern. Wer sich ernsthaft mit dem Ausdrucksverhalten der Hunde auseinandersetzen möchte, sollte daher auf Videomaterial zurückgreifen.