Home » Wie Hunde denken und fühlen – mit ihrem Hundekopf

Wie Hunde denken und fühlen – mit ihrem Hundekopf

Was geht vor in seinem Hundekopf?

Es gibt Leuet die glauben, dass Hunde nicht denken können. Hunde denken trotzdem. Ein Hundekopf unterscheidet sich nicht sehr von unserem. Das Gehirn von Hund und Mensch ist aus denselben Strukturen aufgebaut, nur sind die „Schwerpunkte“ anders verteilt. Kleine Ursachen machen hier große Unterschiede. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Großhirnrinde.

Schon mal beobachtet? Ein Hund denkt und lernt eigentlich genauso wie ein Mensch: Er erlebt etwas, merkt es sich, erinnert sich daran und zieht seine Schlüsse.
Die sind oft falsch. Das ist der größte Unterschied zwischen Hundekopf und Menschenkopf.
Es wird oft so dargestellt, als würden Hunde hauptsächlich durch operante Konditionierung lernen. Aber viele Lernprozesse sind dafür viel zu langsam. Auch hat man bei Hunden Lernvorgänge entdeckt, von denen man glaubte, dass nur Menschen dazu fähig seien.

Das Säugetiergehirn

Das Gehirn eines Säugetieres lässt sich in verschiedene Abschnitte gliedern. Salopp gesprochen sind diese umso „primitiver“ je näher sie am Rückenmark liegen und um so „moderner“, je weiter sie davon weg sind – räumlich betrachtet.Gehirne sind erstaunlich komplexe Organe. In der Masse eines Sandkorns arbeiten 100 000 Nervenzellen oder Neuronen. Jede von ihnen steht über Synapsen mit Tausenden anderer Zellen in Verbindung.

Neuronen

Die Nervenzellen bestehen aus einem Körper, dem Soma, mit einem langen Fortsatz, dem Axon. Innerhalb der Nervenzelle werden Reize elektrisch entlang des Axons geleitet. Am Ende des Axons befinden sich die Synapsen, die Schaltstellen zwischen den Nervenzellen. Hier wird das elektrische Signal in ein chemisches umgewandelt: die Synapse setzt biochemische Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter frei, die an der benachbarten Nervenzelle andocken und dort wieder ein elektrisches Signal auslösen.

Aufbau des Gehirns

Der ursprünglichste Bereich ist die Medulla, das verlängerte Mark. Hier werden Vitalfunktionen wie zum Beispiel die Atmung kontrolliert. Im Cerebellum, dem Kleinhirn, wird die Raumorientierung und exakte Bewegung der Gliedmaßen „verwaltet“. Dazu werden die der Signale von Propriorezeptoren, akustischen und optischen Reizen ausgewertet.Propriorezeption ist die Wahrnehmung der Lage des eigenen Körpers im Raum. Sie sorgt dafür, dass wir – und unser Hund – wissen, wo wir gerade unsere Pfoten haben und bei Dunkelheit, wenn wir unsere Füße nicht sehen können, nicht einfach zusammenbrechen.

Im Mittelhirn werden Emotionen und Erinnerungen verarbeitet. Ein wichtiger Bestandteil des Mittelhirns ist das limbische System, das sich wiederum aus verschiedenen Bestandteilen, unter anderem dem Mandelkern (Amygdala) und dem Hippocampus zusammensetzt. Es entscheidet darüber, wie wir die Welt wahrnehmen und ist für unsere Emotionen verantwortlich.

Die Sinnesorgane liefern neutrale Informationen an das Gehirn. Der Mandelkern versieht sie mit einer emotionalen Bedeutung. Im Hippocampus werden diese Informationen dann mit Erinnerungen abgeglichen und an die Großhirnrinde weitergeleitet.

Das Großhirn ist der modernste Bereich des Säugerhirns. Hier findet bewusstes Denken und Planen statt. Das Großhirn ist das übergeordnete Zentrum sensorischer und motorischer Funktionen.

In der Großhirnrinde, dem Cortex, entsteht unser Bild von der Welt. Jeder individuelle Cortex liefert sein eigenes Bild. Das liegt daran, dass von den Unmengen der Information, die auf ein Gehirn einströmen nur ein Bruchteil bewusst wahrgenommen wird. Der Rest fällt durch ein Raster. Was durchfällt und was hängen bleibt ist von individuellen Erfahrungen abhängig.

Artübergreifend auch vom unterschiedlichen Input. Ein Hund, dessen Hauptsinnesorgan die Nase ist, sieht die Welt im wahrsten Sinne mit anderen „Augen“.

Die Großhirnrinde

Bei Säugetieren dominiert der Neocortex. Hier werden die im Gehirn einlaufenden Informationen in verschiedenen Arealen abgebildet. In diesen Bereichen entstehen detaillierte Bilder. Ein Lichtblitz, der in einer bestimmten Region des Sehfeldes im Auge ankommt, erzeugt an einer ganz bestimmten Stelle des visuellen Cortex Nervenimpulse.

Neben diesen spezifischen, sensorischen Feldern gibt es noch unspezifische Areale, den Assoziationscortex. Dort werden Informationen aus verschiedenen Sinnesgebieten verarbeitet. Es werden Handlungsentwürfe gebildet, bei denen frühere Erlebnisse eine Rolle spielen, die aus dem Langzeitgedächtnis stammen.

Im Assoziationscortex findet das bewusste Denken und Entscheiden statt. Er macht beim Menschen 80% des Neocortex aus, bei Ratten nur 10%.

Denken Hunde anders als wir?

Die Rohdaten, die die Sinnesorgane liefern, werden in den Frontallappen der Großhirnrinde verarbeitet. Die Großhirnrinde steht mit allen anderen Bereichen des Gehirns in Verbindung. Eine gut entwickelte Großhirnrinde ist die Voraussetzung für eine effektive Datenprozessierung, meint die autistische Tierforscherin Temple Grandin . Sie sieht den Hauptunterschied zwischen Mensch und Tier darin, dass die Kommunikation der Großhirnrinde mit den restlichen Hirnregionen bei anderen Tieren nicht so intensiv ist, wie beim Menschen. Einfach, weil die Großhirnrinde weniger gut entwickelt ist.

Das menschliche Gehirn liefert dem Bewußtsein ein stark prozessiertes Bild. Das führt auch dazu, dass wir manche Dinge nicht sehen, weil unser Gehirn sie als unwichtig ausfiltert. Viele Menschen, die sich darauf konzentrieren, bei einem Basketballspiel die Körbe zu zählen, sehen nicht, wenn ein als Gorilla verkleideter Mensch das Spielfeld betritt.

Das würde einem Hund nie passieren. Andere Tiere nehmen statt des fertigen Bildes einzelne Details wahr. Die Daten, die ihr Bewußtsein erreichen sind weniger stark verarbeitet. Sie sehen die Körbe, vermutlich den Ring und das Netz extra, verschiedene Spieler, Hosen, Hemden, den Ball, die Spielfeldmarkiereung – und eben auch den Gorilla. Menschen sehen dagegen das Bild eines Basketballspiels. Der Gorilla passt nicht dazu und wird gelöscht.

Temple Grandin interpretiert das Verhalten von Tieren mit den Besonderheiten ihrer eigenen Wahrnehmung als Autistin. Eine Hypothese, die man nie beweisen kann, aber der Erfolg gibt ihr recht.

Eine weniger entwickelte Großhirnrinde bedeutet auch einen kleineren „Arbeitsspeicher“. Mit einer kleineren Großhirnrinde kann man oft nicht genug Einzelheiten im Kopf behalten, um Probleme lösen zu können. Wenn ein Hund sich mit seiner Leine um einen Baum wickelt und sich nicht befreien kann, liegt das daran, dass er schlicht nicht mehr weiß, wie er in diese Situation geraten ist – und das womöglich für jeden einzelnen Versuch, das Problem zu lösen.

Emotionen

Im Palaeocortex in der Tiefe des Großhirns und teilweise im Mittelhirn befindet sich das limbische System, die Kommandozentrale der Emotionen. „Richtiges“ Verhalten fühlt sich gut an. Es erzeugt Emotionen, die uns Säugern sagen: „Das war gut so, das mach ich wieder“. Neurobiologen sehen die Funktion von Emotionen darin, Kontakt zwischen Gehirn und Körper zu halten.

Das würde bedeuten, dass alles umgekehrt ist. Wir sind nicht wütend und schütten als Folge dessen Adrenalin aus. Sondern: Hoppla, Adrenalin: Ich bin WÜTEND!!!

Wenn das biochemische Cocktail, das einer bestimmen Emotion entspricht, angerichtet ist, nippt unser Gehirn daran und freut sich – oder wird wütend, oder traurig – was auch immer.

Mehr über Emotionen der Hunde gibt es auf der Forschungsseite.

eine kleine Kuschelgeschichte

Berührungen, die der Hund als angenehm empfindet, führen zu einer Ausschüttung von Oxytocin. Dabei sind die Intensität und Dauer der Berührung entscheidend. Oxytocin ist das „Kuschelhormon“, der Gegenspieler von Hormonen, die bei Stress ausgeschüttet werden, wie Adrenalin, Vasopressin oder Cortison. Oxytocin wird im Hypothalamus gebildet. Es beeinflusst soziale Interaktionen und wird mit Emotionen wie Liebe, Ruhe und Vertrauen in Verbindung gebracht. Auch hier unterscheiden wie uns nicht von unserem Hund.

Auch ein sanfter, liebevoller Blick tief in die Augen liefert Oxytocin. Wieder mal ist es egal, wer wen anschaut…