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Hundegerechte Hundehaltung

Hundegerechte Hundehaltung ist ganz einfach umrissen:  Sie genügt den Anforderungen des Hundes. Auch Hunde stellen Ansprüche an ihre Lebensbedingungen. Werden diese nicht erfüllt, kann das zu Problemverhalten führen. Denn, wenn  Hunde Kummer bereiten, leiden sie oft selbst welchen. Manchmal verhalten sich Hunde dann so, dass sich daraus Probleme für ihre Menschen ergeben. Die Ursache kann eine nicht hundegerechte Hundehaltung sein. Auch wenn der Mensch mit dem Hund nicht klar kommuniziert kann sich Problemverhalten entwickeln. Hundeprobleme könne viele Ursachen haben. Und Hundeprobleme schaffen Problemhunde. Deswegen ist eine hundegerechte Hundehaltung so wichtig.

Der Hund braucht drei Dinge zum Glücklichsein:

  • konsequente Führung
  • Gesellschaft und
  • ausreichend Stimulation.

Wenn nicht alle Bedürfnisse des Hundes befriedigt sind, können sich daraus Verhaltensprobleme entwickeln. Über – oder Unterforderung verursacht Straee und das ist oft die Quelle allen Übels.

Stimulation

P1010255Körperliche Aktivität ist wichtig. Lange – wirklich lange – Spaziergänge und Hundesport für besonders aktive „Fidi“. Agility und Dogdancing sind vielleicht gar nicht so doof.

Auch Kopfarbeit ist wichtig. (Ja – der Kopf gehört auch zum Körper. Trotzdem.) Hunde sind Nasentiere. Im Vergleich zu uns ist bei ihnen ein großer Bereich des Gehirns dem Geruchssinn gewidmet. Deswegen schnüffelt er ausgiebig am Laternenpfahl seiner Wahl. Das muss erlaubt sein, auch wenn’s mal wieder länger dauert.
Nasenarbeit ist anstrengend. Und befriedigend, denn der Hund nimmt damit sehr, sehr viele Informationen auf.

Und Denkarbeit. Unsere Hunde sind ständig unterfordert. Nie gibt es Probleme zu lösen. Das Futter erscheint pünktlich im Napf, wenn mal was nicht klappt springt der Mensch schnell ein. Vorher ist er auf Fidos Hundeblick reingefallen. Probleme lösen und kleine Aufgaben lernen, Kunststücke, was auch immer, ist ungemein wichtig. Je mehr das Gehirn angeregt wird, desto besser.

Nach einer nicht repräsentativen Umfrage ruht fast die Hälfte der Hunde mindestens 20 Stunden am Tag. Die Hunde, die am längsten ruhen zeigen auch am häufigsten irgendein Problemverhalten. Und auch der Schweregrad der Verhaltensstörung korreliert mit der täglichen Ruhezeit. Je länger Hunde ruhen oder im Klartext: sich langweilen, desto häufiger entwickeln sie irgendein Problemverhalten. Die Ursache hierfür dürfte Stress durch Unterforderung sein.

Für die geistige Auslastung ist allerdings der Lernprozess selbst ausschlaggebend, nicht das Vorführen von Gelerntem. Auch das Erlernen von ganz normalen Gehorsamsübungen steigert die geistige Auslastung. Während der Hund versucht, herauszufinden, was man von ihm möchte, muss er sich am meisten anstrengen. Der Einsatz von Intelligenzspielzeug ist auch eine gute Methode, den Hund geistig auszulasten.

hundegerechte Hundehaltung – weitere Tipps

Hundetraining ist während der Lernphase bestens geeignet, Fidos Köpfchen ein bisschen zum Rauchen zu bringen. Aber nur während der Lernphase, denn es geht um das Denken, nicht das Exerzieren. Deswegen ist auch „ganz normales“ Lernprogramm zunächst für die geistige Auslastung gut geeignet. In ihrem Online Kurs zur Hundeerziehung widmet sich Johanna Esser diesem Thema ausführlich. Der betreute Videokurs ist zum Teil mit Doggy Cam aufgezeichnet – toll.

Auch Anders Hallgren hat ein nettes kleines Buch über Mentales Training für Hunde geschrieben.
Schließlich gibt Elisabeth Beck in ihrem wunderbaren Buch Wer denken will, muss fühlen gute Tipps für die geistige Auslastung. Die Autorin beschreibt in einem Abschnitt des Buches Trainingsmethoden wie Shaping oder Do As I Do, die ständiges Mitdenken erfordern. Und last but noz least gibt es Bücher voller fantastischer Hundetricks.

 

Gesellschaft

Gesellschaft steht auf der Hitliste der Hunde ganz oben. Wenn er in einem inaktiven „Rudel“ lebt, muss er Kompromisse eingehen. Alleine toben und streunen oder mit dem Rudel ruhen? Fido fügt sich und erträgt die Langeweile. Langeweile ist Unterstimulation und darauf kann der Hund mit Stress reagieren – genau wie auf Überstimulation. Stress ist oft der Auslöser für Aggressionen.

Die Sache mit dem Führer

Hunde leben in einem sozialen Verband, der menschlichen Familie. Dort herrscht eine seichte Hierarchie. An der Spitze steht ein Oberhaupt. Es steht dort, weil es ruhig und souverän ist, nicht weil es der Stärkste ist oder am lautesten brüllt.

Hunde brauchen eine Führer, auf den sie sich verlassen können. Wenn der Hund seinem Führer nicht vertraut, wird er in einer Krisensituation die Sache selbst zwischen die Zähne nehmen.

Was macht einen guten Führer aus?

In erster Linie Ruhe und Sicherheit. Ganz sicher träumt ein Hund nicht von einem ängstlichen Führer. Er darf auch in schwierigen Situationen nicht die Nerven verlieren. Das ist gar nicht einfach. Da steckt viel Arbeit drin. Man muss wirklich ruhig sein. Schauspielern ist nicht – das merkt der Hund. Spürt er Angst oder Panik am anderen Ende der Leine, muss er sich selbst helfen und tut eventuell genau das, wovor sein Mensch Angst hat. Ein Teufelskreis.

Aggressives, wütendes Auftreten in „Krisensituationen“ interpretiert der Hund als Schwäche. Und wer will einen schwächlichen Führer? Niemand.

Er braucht jemanden, von dem er denkt:

  • du bist prima,
  • weißt immer was zu tun ist,
  • tust mir nichts,
  • du darfst mich führen.

Das ist der Punkt.  Du darfst. Mit Gewalt wird man sich nie an die Spitze setzen.

Die Vorstellung, dass Hunde in einer strengen Hierarchie leben, in der es ein Leittier, den so genannten „Alpha“ gibt, stammt zum Teil von Beobachtungen an in Gefangenschaft lebenden Wolfsrudeln. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass diese eine Rangordnung entwickeln, die einer strengen „Hackordnung“ entspricht und eher den Gesellschaftsstrukturen in Gefangenenlagern entspricht.

Die Rangordnung in freilebenden Wolfsrudeln weicht davon allerdings ab. Der Alpha-Wolf und die Alpha Wölfin nehmen die Führungsposition ein, ansonsten herrscht eine flache Hierarchie. Ganz ähnlich, wie in einer Familie – und genau das sind die meisten Wolfsrudel auch: Ein Leitpaar, dass sich fortpflanzt lebt mit den Nachkommen einiger Generationen zusammen, bis diese abwandern und eigene Rudel zu gründen. (Mech, 1999)