Home » Hundefutter

Hundefutter

Hundefutter gestern und heute

Hundefutter kommt heute meist aus industrieller Produktion in den Napf. Die Qualität hängt nicht nur von den Zutaten, sondern auch dem Herstellungsprozess ab. Heute ist es für uns selbstverständlich, dass reichlich Schlachtabfälle für die Zubereitung von Hundefutter zur Verfügung stehen. Aber was fraßen Hunde früher? Bis vor wenigen Jahrzehnten saßen sie quasi mit bei uns am Tisch. Heute wollen uns die Hersteller von Fertigfutter glauben machen, dass es unmöglich ist, einen Hund ohne ihre Produkte ausgewogen zu ernähren. Aber stimmt das wirklich? Hunde haben im Prinzip die gleichen Ansprüche an die Qualität ihrer Nahrung. Uns wird vom Verzehr von Hundefutter – wohl zu recht – abgeraten. Und unsere „besten Freunde“ sollen das aber ihr Leben lang essen?

Nein. Sollen sie nicht!!!

Deswegen mal eben kurz mit der Tür ins Haus gefallen: Es gibt auch Hundefutter in Top Qualität:
Dieses sagenhafte Premium – Hundefutter von WW7 besteht aus Fleisch, Innereien, Gemüse und Fischöl. Es ist offen deklariert. Man erfährt bis auf’s letzte Gramm, was sich in den Gläsern befindet. Besser  kann man es kaum machen. Wohl deshalb sind die Käufer restlos begeistert – von den Konsumenten ganz zu schweigen. 🙂

 

Hundefutter im Wandel der Zeit

Im Mittelalter fraßen Hunde fast ausschließlich ein eigens für sie gebackenes Hundebrot. Das enthielt natürlich viel Getreide und ein bisschen Innereien. Nur an Jagdtagen durften sie sich die Reste der Beutetiere einverleiben. Erstaunlich, dass Hunde über Jahrhunderte überwiegend vegetarisch ernährt wurden. Die aktuelle Forschung hat aber tatsächlich ergeben, dass der Unterschied zwischen Wolf und Hund zum Teil darauf beruht, dass Hunde Stärke besser verdauen können. Eine Anpassung an den Speiseplan des Menschen.

Hundebrot – das klingt zunächst gewöhnungsbedürftig. Aber ein Überfluss an tierischen Nahrungsquellen für Hunde dürfte wohl erst mit der „industriellen“ Fleischproduktion aufgekommen sein. Und mit der Tatsache, dass unsere eigenen Schnäuzchen immer verwöhnter werden und damit immer mehr „Abfälle“ anfallen.

Schlachtabfälle

Vom Schlachttier nutzen wir  heute nur noch etwa 50% für den menschlichen Verzehr. Der Rest sind Schlachtabfälle. Das war nicht immer so. Noch vor wenigen Jahrzehnten landeten einiges dieser „Schlachtabfälle“ auch auf unseren Tellern: Euter zum Beispiel, oder Pansen. Heute verwendet man einen Teil der Schlachtabfälle zur Herstellung von Hundefutter.

Zu Hundefutter verarbeitet werden dürfen Fleisch und Schlachtabfälle der Kategorie 3. Kategorie 3 Schlachtabfälle sind die „Abfälle“ der Tiere, deren Fleisch wir essen. Das sind Knochen, Fette, Schwarten, Häute bis hin zu Haaren, Borsten, Federn. Allerdings auch genusstaugliche aber kommerziell uninteressante Körperteile. Euter zum Beispiel, oder Pansen.

Andere Schlachtabfälle dürfen nicht zu Tiernahrung verarbeitet werden, auch wenn man uns das gelegentlich suggerieren will. Weil sie leicht verderblich sind,  müssen Schlachtabfälle rasch entsorgt werden – und während des ungekühlten Transports kommen sie in einem eher unapettitliche Zustand beim verarbeitenden Betrieb an. Das ist das Problem. Grundsätzlich ist aber gegen Schlachtabfälle im Hundefutter nichts einzuwenden.

Wie wir ja wissen, ernähren sich Raubtiere nicht von Fleisch, sondern von Tieren. Deshalb sind auch Federn und Haare ein wichtiger Bestandteil von Hundefutter. Sie dienen als Ballaststoff. Selbstverständlich sollte der Anteil an minderwertigen Schlachtabfällen, wie Borsten und Klauen nicht zu hoch sein.

Industrielles Hundefutter

Seit etwa 50 Jahren werden Hunde hauptsächlich mit industriell hergestelltem Fertigfutter ernährt. Es ist meist eine Vollkonserve, die künstlich mit Vitaminen und Mineralstoffen versetzt wird. Es ist als Nassfutter oder Trockenfutter auf dem Markt.

 

Trockenfutter

Trockenfutter hat einen Wassergehalt von höchstens 14%. Es wird entweder kaltgepresst oder nach dem Extrusionsverfahren hergestellt.

Bei der Extrusion wird der Teig mit hohem Druck (20 – 30 bar) und hoher Temperatur (etwa 120°) durch eine Düse gepresst. Beim Austritt aus der Düse breitet sich die Teigmasse aus und kühlt rasch ab. Die Behandlung dauert nur wenige Sekunden. Man erhält ein gebackenes Futterkügelchen. Die Kohlenhydrate werden bei der Extrusion aufgeschlossen und leichter verdaulich. Keime werden abgetötet.

Nach der Extrusion werden zur Verbesserung der Akzeptanz und des Nährwertes Fette, Eiweißhydrolysate und Vitamine aufgesprüht. Man bezeichnet das als „Coating„. Extrudiertes Trockenfutter enthält aus verfahrenstechnischen Gründen mindestens 40% Kohlenhydrate.

Experten beurteilen die Wertigkeit von extrudiertem Trockenfutter unterschiedlich. Die einen beklagen den Verlust von Nährstoffen, die anderen loben das schonende Herstellungsverfahren. Fakt ist, dass bei den hohen Temperaturen von bis zu 120° nicht nur die Keime absterben, sondern auch die Proteinen denaturieren und Vitamine zerstört werden, die anschließend künstlich zugesetzt werden müssen.

Kaltgepresstes Trockenfutter wird aus einem Gemisch der getrockneten Zutaten durch Pressung ohne Wärmezufuhr hergestellt. Es erreicht bei der Herstellung trotzdem Temperaturen von bis zu 80°. Bei diesem Verfahren werden Vitamine und Nährstoffe geschont. Allerdings werden nicht alle Keime abgetötet und das Produkt ist nicht so lange haltbar wie extrudiertes Trockenfutter. Kritiker behaupten, kaltgepresstes Trockenfutter werde nur hergestellt, um die Energiekosten zu sparen. Und beklagen einen unzureichenden Stärkeaufschluss. Der Stärkeaufschluss ist wichtig, denn native Stärke ist für den Hund schlecht verdaulich.

Nassfutter

Zur Herstellung von Nassfutter werden die Dosen samt Inhalt durch Autoklavieren bei hoher Temperatur und hohem Druck sterilisiert. Ein Autoklav ist im Prinzip ein großer Dampfdrucktopf. Dieses Herstellungsverfahren entspricht im Prinzip dem ersten Schritt der Produktion von Tiermehl.

Der Wassergehalt liegt bei etwa 80%. Das ist ein bisschen mehr als der Wassergehalt von Säugetieren. Der Hersteller kippt hier das Gläschen Wasser, das hund mit der Mahlzeit zu sich nehmen soll, schon mal mit in die Dose. Kostet ja nichts.

Fleisch wird in der Regel mit tierischen Nebenprodukten zusammen deklariert. Dann kann der Käufer nicht mehr erkennen, wie viel Fleisch denn nun tatsächlich enthalten ist. Eine perfekte Irreführung des Käufers. Mit ein bisschen Glück erwischt man eine Dose mit hohem Fleischanteil und wenig minderwertigeren Abfällen. Man kann aber auch Pech haben. Dann ist es umgekehrt.

Inhaltsstoffe von Hundefutter

  • Trockenfutter enthält in der Regel sehr viel Getreide. Getreide ist in preisgünstiger Dosenware auch reichlich enthalten. Es steht in der Deklaration oft an zweiter Stellen, kann also fast die Hälfte des Inhalts ausmachen, denn die Zutaten müssen in absteigender Reihenfolge angegeben werden.
  • Tiermehl aus Kategorie 3 Abfällen darf an Heimtiere verfüttert werden. Zur Herstellung werden Schlachtabfälle, ein Gemisch aus Knochen und Weichteilen zerkleinert und anschließend bei 133° unter Druck für 20 Minuten sterilisiert. Dabei entsteht ein Fleischbrei. Der wird getrocknet und anschließend durch Pressen entfettet. Der Presskuchen wird gemahlen und ist einsatzbereit.

Die biologische Wertigkeit von Tiermehl ist unter anderem von den Ausgangsmaterialien abhängig. Geflügelmehl, wie es in den günstigeren Hundefutter häufig verwendet wird, wird aus Geflügelköpfen, Krallen, Federn hergestellt. Das Hühnchen wird vorher rausgenommen. Bessere Qualität verspricht Geflügelfleischmehl, das Fleisch enthalten muss. Das Hauptprotein in Krallen und Federn ist Keratin. Das ist nicht gut verdaulich und hat keine ausgewogene Aminosäurezusammensetzung.

  • Auch pflanzliche Proteine kommen dazu, zum Teil hydrolisiert, also in einzelne Aminosäuren zerlegt. Pflanzliche Proteine sind nicht so gut verdaulich wie tierische, stellen aber manchmal die Hauptproteinquelle dar.
  • Fett – manchmal auch gebrauchtes – kommt natürlich auch mit rein.
  • Und pflanzliche Nebenerzeugnisse. Das sind oft Erdnussschalen oder gebrauchtes Stroh aus Ställen,  einschließlich der Fäkalverunreinigungen.
  • Vitamine und Mineralstoffe müssen zugesetzt werden, sonst ist eine Mangelernährung vorprogrammiert. Industriefutter wird wegen der wenig schonenden Herstellung noch Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt. Ohne die treten nach einigen Generationen der alleinigen Fütterung von Vollkonserven Missbildungen auf, wie Experimente mit Katzen gezeigt haben.
  • Ein Cocktail von unzähligen, zum Teil als bedenklich geltenden Zusatzstoffen, die nicht deklariert werden dürfen, weil das „wegen ihrer Vielzahl nicht praktikabel ist“. Kann das heißen, die Liste passt nicht auf das Etikett???

 

Empfehlenswertes Hundefutter

Zum Glück gibt es aber noch zahlreiche kleinere Hersteller von Hundefutter, die bei der Auswahl der Zutaten sehr auf Qualität achten und statt Tiermehl – und sei es auch Fleischmehl – lieber getrocknetes oder Frischfleisch verwenden. Oder wirklich nur Fleisch ins Dosenfutter packen. Hier kann man eher zugreifen, wobei aber immer noch die Frage bleibt, warum man seinem Hund ein derart hoch verarbeitetes Produkt servieren soll, während man bei der eigenen Ernährung doch so sehr auf Frische achtet.

Ein neuer und sehr zu begrüßender Trend ist die Frischfütterung, auch BARF genannt. BARF steht für biologische, artgerechte Rohfütterung. Und schmeckt und bekommt dem Hund. Verschiedenen Sorten Barf Fleisch sind auch tiefgefroren im Handel erhältlich.

Und wer nicht barfen möchte sollte nicht vergessen: Zu großes Vertrauen in die Tierfutterindustrie ist ein allgemeines Problem unter uns Konsumenten. Dabei ist eine ordentliche Portion Misstrauen angebracht. Wenn auf den Goldschälchen Fantasiebezeichnungen stehen wie „feines Ragout mit Lachs und Lamm“, und uns schon das Wasser im Mund zusammenläuft, kann das im Klartext heißen: „Ein paar Fischschuppen und ein bisschen Wolle“.