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Hundeforschung

Hunde stehen zur Zeit im Fokus der Wissenschaft. Die Forschung hat endlich den engsten Begleiter des Menschen entdeckt. Hier erscheint in loser Folge Interessantes aus der aktuellen Forschung am Haushund.




Wen riechen Hunde am liebsten?

Wen können Hunde sprichwörtlich am besten riechen? Forscher untersuchten die emotionalen Reaktionen von Hunden auf Geruchswahrnehmungen. Dazu zeichneten sie die Aktivität in bestimmten Regionen der Gehirne der Hunde auf, während sie ihnen verschiedene Gerüche präsentierten: vertraute oder fremde Hunde oder Menschen und den jeweiligen Eigengeruch. Die Aktivität wurde im Riechkolben und im Nucleus caudatus mit einem bildgebenden Verfahren aufgezeichnet. Im Nucleus caudatus wird positive Erwartung und soziale Belohnung erzeugt � der Neurowissenschaftler Ulrich Ott fasst das mit „Freude und bedingungslose Liebe“ zusammen (Meditation für Skeptiker).

Die verschiedenen Gerüche erzeugten im Riechkolben Signale, die sich nicht voneinander unterschieden. Ganz anders im Nucleus caudatus. Hier waren deutliche Unterschiede messbar. Am wenigsten erregte der Eigengeruch des jeweiligen Hundes diese Hirnregion. Der Geruch eines vertrauten Menschen dagegen stimulierte den Nucleus caudatus am stärksten. Nicht andere Hunde also, egal ob fremd oder vertraut, erzeugen beim Hund Gefühle des Wohlbefindens, sondern seine Menschen.

Quelle: Berns et al., Scent of the familiar: An fMRI study of canine brain responses tofamiliar and unfamiliar human and dog odors Behavioural Processes 110 (2015) 37�46

Sind Hunde eifersüchtig?

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen primären und sekundären Emotionen. Primäre Emotionen wie Angst und Wut haben weitreichende evolutionäre Wurzeln und kommen in fast allen Wirbeltieren vor. Um sekundäre Emotionen wie Stolz, Schuld oder Eifersucht zu entwickeln braucht man dagegen ein Selbstbewusstsein, heißt es, deswegen seien sie auf Menschen und andere Primaten beschränkt.

Wissenschaftler gingen nun der Frage nach, ob auch Nicht-Primaten sekundäre Emotionen entwickeln. Zur Untersuchung dieser Frage entwickelten sie eine ungewöhnliche Vorgehensweise: Sie sammelten nicht Beobachtungen über das Verhalten der Tiere sondern Aussagen der betreuenden Bezugspersonen der Probanden. Diese Daten basieren auf der persönlichen Erfahrung der Betreuer mit ihren Schützlingen und es hat sich gezeigt, dass diese Vorgehensweise aussagefähige Daten liefert.

Die Forscher sitzen also nicht hinterm Busch und warten bis das Tier irgendwelche Emotionen zeigt, sondern fragen die Bezugspersonen, die mit dem Tier vertraut sind, ob es jemals eifersüchtig, stolz, schuldbewusst, wütend, ängstlich, was auch immer, ist.

In einer ersten Studie befragten sie die Bezugspersonen verschiedener Haustierarten nach verschiedenen primären und sekundären Emotionen. Alle Emotionen wurden in den tierischen Probanden verschiedener Spezies erkannt. Dabei wurden aber primäre Emotionen weitaus häufiger berichtet als sekundäre. Immerhin: Hunde, die in der Untersuchung die größte Fraktion stellten, empfinden also sowas wie Schuld, Stolz oder Eifersucht. Hunde und Pferde zeigten in der Studie den größten prozentualen Anteil an sekundären Emotionen, Meerschweinchen und Hamster den geringsten.

Sind diese Daten verlässlich oder handelt es sich hier um Vermenschlichung? Dieser Frage gingen die Forscher in einer zweiten Studie nach, indem sie die Teilnehmer befragten, wie sich die beobachteten Emotionen in Detail äußerten. Exemplarisch wurde die Eifersucht des Hundes gewählt. Was taten die Hunde wenn sie eifersüchtig waren? In welchen Situationen wurden sie eifersüchtig?

Hunde reagieren in sozialen Deiecksbeziehungen eifersüchtig, wenn die Zuwendung der Bezugsperson sich auf jemand drittes richtet. Erstaunlicherweise richtet sich die Eifersucht eher gegen Menschen als gegen Hunde. Die eifersüchtigen Hunde versuchen die Aufmerksamkeit ihres Menschen zurückzugewinnen, indem sie ihn anstupsen, versuchen ihn wegzuschieben oder sich zwischen ihn und den Dritten zu schieben. Alle Teilnehmer beschreiben einheitlich diese Situationen und Auslöser, was die Aussagekraft der gesammelten Daten untermauert.

Basierend auf dieser Studie untersuchten Forscher aus San Diego, Kalifornien die Eifersucht der Hunde genauer. Sie zogen das oben beschriebene Eifersuchtsverhalten heran um zu untersuchen, was genau Eifersucht bei Hunden auslöst. Dazu liebkoste ihr Mensch in drei verschiedenen Situationen entweder einen naturgetreuen Stoffhund, einen Kürbiskopf oder wandten sich einfach einem Buch zu.

Die Hunde reagierten eifersüchtig auf den Stoffhund, den sie vermutlich als sozialen Rivalen wahrnahmen. Das Buch dagegen löste keine Eifersucht aus, was zeigt, dass es sich um echte Eifersucht handelt und nicht um einfach um den Versuch die Aufmerksamkeit des Menschen wieder zu erlangen.

Quelle: Morris et al., Secondary emotions in non-primate species? Behavioral Reports and subjective claims by animal owners, Cognition and Emotion, 2008, 22(1), 3-20 Harris CR, Prouvost C. Jealousy in dogs, PLoS One. 2014 Jul 23;9(7):e94597. doi: 10.1371/journal.pone.0094597. eCollection 2014.

Hundenasen unterscheiden zwischen eineiigen Zwillingen

Gut trainierte Hundenasen könne offensichtlich eineiige Zwillinge auseinanderhalten, sogar wenn diese im selben Haushalt leben. Tschechische Forscher testeten zehn speziell ausgebildete Polizeihunde auf diese Fähigkeit. Die Hunde sollten Geruchsproben von eineiigen Zwillingen zuordnen. Die Geruchsprobe eines Zwillings wurde zur Suche angeboten und sollte in einer Reihe von verschiedenen Proben ähnlicher Individuen identifiziert werden.

Alle Hunde konnten die Proben der eineiigen Zwillinge unterscheiden. Proben, die von einem einzigen Individuum stammten wurden dagegen als identisch erkannt.

Quelle: Pinc L, Barto� L, Reslová A, Kotrba R,PLoS One. 2011;6(6)

Umgangsformen und Stresshormone

Die Konzentration des Stresshormons Kortisol im Blut steigt in agonistischen Situationen an. Das nutzten Wissenschaftler, um herauszufinden, ob auch Spiel Stress sein kann. Sie untersuchten zwei Gruppen von Hunden: Polizeihunde und Grenzschutzhunde mit ihren Hundeführern. Die Hunde aus beiden Gruppen spielten drei Minuten lang mit Ihren Führern Tauziehen, anschließend wurde die Kortisonkonzentration im Speichel bestimmt. Bei den Polizeihunden nahm der Kortisonspiegel deutlich zu, während er bei den Grenzschutzhunden sank.

Als Ursache sehen die Forscher den generellen Umgang mit dem Hund und das Verhalten des Menschen in der Spielesituation. Die Führer der Polizeihunde waren eher streng und disziplinarisch, während die Führer der Grenzschutzhunde wirklich mit ihren Hunden spielten und auch liebevoller mit ihnen umgingen…

Quelle: Horváth Z, Dóka A, Miklósi A, Horm Behav. 2008 Jun;54(1):107-14

Hunde kategorisieren Objekte wie Menschenaffen

Forscher untersuchten inwiefern Hunde im Vergleich mit Menschenaffen Objekte individualisieren, das heißt, wie genau das mentale Bild ist, das sie von dem Objekt speichern. Dazu wurde ein Test herangezogen, der als �Erwartungsverletzung� bekannt ist.

Den Probanden wurde Futter gezeigt und in einem Behälter mit doppeltem Boden platziert. Das Futter konnte darin unbemerkt durch ein anderes ersetzt werden. Das Futter wurde in Überraschungsexperimenten entweder durch ein besseres oder ein schlechteres ausgetauscht. In Kontrollexperimenten wurde es gar nicht ausgetauscht.

Die Hunde hielten sich während der Überraschungsexperimente eher in der Nähe des Experimentators auf und reagierten damit auf positive wie auf negative Überraschungen. Diese Experimente zeigen, dass Hunde Objekte entsprechend ihrer Eigenschaften kategorisieren. Sie unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von Menschenaffen.

Quelle: Bräuer J, Call J., J Comp Psychol. 2011 May 16. [Epub ahead of print]

Gähnen ist ansteckend

Wissenschaftler zeigten erstmals, dass menschliches Gähnen auch für Hunde ansteckend ist. Die Hunde beobachteten Menschen beim Gähnen oder während diese andere Bewegungen mit dem Mund durchführten. Für etwa zwei Drittel der Hunde war das Gähnen ansteckend und sie mussten ebenfalls gähnen. Die Kontrollbewegungen veranlassten die Hunde dagegen nicht zum Gähnen.

Die Forscher schließen daraus, dass auch Hunde sind in die Lage anderer versetzen können…

Quelle: Joly-Mascheroni RM, Senju A, Shepherd AJ, Biol Lett. 2008 Oct 23;4(5):446-8

Nein, der Knochen schlüpft nicht durch die Scheibe

Ein Hundekuchen in Knochenform wurde hinter einer drehbaren Scheibe platziert. Die Scheibe wurde anschließend gedreht, bis sie den hinter ihr liegenden Hundekuchen berührte. Das war das �mögliche Ereignis�. Durch einen Trick wurde den Hunden auch ein �unmögliches Ereignis� vorgeführt, bei dem es so schien, als würde sich die Scheibe durch den Hundekuchen hindurch bewegen. Merken Hunde was?

Wenn Probanden nicht sprechen können, also Kleinkinder oder Tiere, nimmt man als Maß für die Verwunderung die Zeit, die ungewöhnliche Situationen betrachtet werden.

Die Hunde betrachteten das �unmögliche Ereignis� wesentlich länger. Zur Kontrolle wurde einer Gruppe von Hunden zwei mögliche Ereignisse vorgeführt. Diese Hunde betrachteten beide Ereignisse gleich lang.

Die Forscher schließen daraus, dass Hunde, genau wie Kleinkinder, die physikalischen Eigenschaften der Versuchsanordnung verstehen, also, dass ein Objekt ein anderes nicht durchdringen kann.

Quelle: Pattison KF, Miller HC, Rayburn-Reeves R, Zentall T., Behav Processes. 2010 Oct;85(3):278-82.

Veränderte Genaktivität im Gehirn von Hund und Wolf

Obwohl Hunde (canis familiaris) sich erst vor Kurzem von Wölfen (Canis lupus) getrennt haben, zeigen die beiden Spezies bemerkenswerte Unterschiede im Verhalten. Da Hunde und Wölfe auf genetischer Ebene beinahe identisch sind, gehen die Forscher davon aus, dass die Arten sich in erster Linie im Expressionsmuster ihrer Gene unterscheiden.

Sie untersuchten die Genexpression von Hund, Wolf und Schakal (Canis latrans) in verschiedenen Bereichen des Gehirns: dem Hypothalamus, Mandelkern und Frontallappen. Sie konnten in allen drei Arten Gene identifizieren, deren Aktivität in bestimmten Bereichen des Gehirns einem bestimmten Muster folgten.

Bei den Wildcaniden war die Genaktivität im Hypothalamus identisch, nicht jedoch beim Haushund. Hier wurde eine veränderte Aktivität bestimmter Gene festgestellt. Die Ergebnisse legen nahe, dass die veränderete Aktivität dieser Gene mit dem Selektionsdruck während der Domestikation in Zusammenhang steht.

Quelle: Saetre P, Lindberg J, Leonard JA, Olsson K, Pettersson U, Ellegren H, Bergström TF, Vilà C, Jazin E., Brain Res Mol Brain Res. 2004 Jul 26;126(2):198-206.

Hunde wenden sich angewidert ab – nach links…

Während der Fütterung zeigte man Hunden unerwartet zweidimensionale Dartsellungen der Shilhouette eines Hundes, einer Katze oder einer Schlange. Beim Anblick der Katze oder Schlange, emotional negativen Reizen, wendeten die Hunde sich bevorzugt nach links ab, jedoch nicht beim Anblick des Hundes. Auch war dei Reaktionsszeit kürzer bei Reizen, die eine Wendung nach links auslösen. Auch die Zeitspanne, nach der die Hunde ihre Mahlzeit fortsetzten, war nach einer Wendung nach links länger. Präsentierte man Reize nur dem rechten oder linken Gesichtsfeld, reagierten die Hunde stärker auf die Reize von links, und auch hier löste der Anblick von negativen Reizen stärkere Reaktionen aus.

Diese Ergebnisse zeigen, dass bei Hunden die rechte Gehirnhälfte (wie beim Menschen arbeiten die Gehirnhälften „über Kreuz“) verstärkt für die Verarbeitung emotionaler Reize verantwortlich ist.

Quelle: Siniscalchi M, Sasso R, Pepe AM, Vallortigara G, Quaranta A, Behav Brain Res. 2010 Apr 2;208(2):516-21

Räumliches Lernen ist irreversibel

Wissenschaftler untersuchten das Verhalten von 50 Haushunden in einem Umwegexperiment. Dabei konnten die Hunde eine Belohnung nur über einen Umweg durch ein Hindernis mit einem offenen Ende erreichen. Nach ein bis vier Wiederholungen wurde die Öffnung an das andere Ende der Barriere verlegt.

Obwohl die Hunde einfache Umwegaufgaben zu 80% auf Anhieb lösen konnten, verharrten 29 von 30 Hunden bei der neuen Aufgabe auf der bereits erlernten Lösung, obwohl die Öffnung und der neue Umweg deutlich sichtbar waren. Auch nach mehrmaligen Wiederholungen konnten keine zu 100% korrekten Ergebnisse erzielt werden.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Hunde einmal gelernte räumliche motorische Muster nur schwer aufgeben können.

Quelle: Osthaus B, Marlow D, Ducat P, Anim Cogn. 2010 Jun 20, [Epub ahead of print]

Hunde verwenden Zeichensprache

Als Folge der Domestikation zeigen Hunde eine ausgeprägte Bereitschaft, mit dem Menschen zu kommunizieren. Wissenschaftler untersuchten nun, ob Hunde in der Lage sind, eine Zeichensprache zu erlernen und in der Kommunikation mit Menschen sinnvoll anzuwenden.

Eine Mischlingshündin wurde darauf trainiert, um Gegenstände oder Aktivitäten zu bitten, indem sie aus Symbolen auf einer Schalttafel auswählte. Sie nutzte die Symbole bewußt, sinnvoll und entsprechend ihrer Motivation. Der Hund nutzte die Schalttafel nur in Anwesenheit des Experimentators und nahm, nachdem sie eine Taste gedrückt hatte, vermehrt Blickkontakt mit dem Menschen auf. Die Verwendung der Symbole hatte also durchaus einen kommunikativen Inhalt für die Hündin.

Quelle: Rossi AP, Ades C, Anim Cogn. 2008 Apr;11(2):329-38

Hunde verstehen Kommunikation durch Symbole

Forscher führten Tests mit Haushunden durch, in denen die Hunde anhand von Fotos und Modellen herausfinden mussten, welchen von einer Auswahl von Gegenständen sie bringen sollten. Auch in dieser Aufgabe untrainierte Hunde nutzten die Modelle erfolgreich um den richtigen Gegenstand zu holen. Erhielten die Hunde ihren Auftrag, indem ihnen ein Foto gezeigt wurde, waren sie allerdings weniger erfolgreich.

Quelle: Kaminski J, Tempelmann S, Call J, Tomasello M, Dev Sci. 2009 Nov;12(6):838

Veränderte Genaktivität im Gehirn aggressiver Hunde

Forscher untersuchten die Genaktivität in verschiedenen Hirnbereichen von Hunden, die wegen aggressiven Verhaltens euthanasiert worden waren. Untersucht wurden Proben aus verschiedenen Hirnregionen, unter anderem dem Mandelkern, dem Sitz der Emotionen. Die Aktivität mehrerer Gene wurde jeweils in den verschiedenen Gewebeproben und in verschiedenen Individuen untersucht.

Die Forscher konnten zwei Gene identifizieren, die in den Gehirnen – und dort in den Mandelkernen – aggressiver Hunde stärker aktiv waren. Die Funktion der Gene ist bisher nicht bekannt, aber es bestehen Ähnlichkeiten zu Genen, die die Information für Regulatoren der Genaktivität enthalten. Die gesteigerte Aktivität dieser Gene könnte für das aggressive Verhalten der Hunde von Bedeutung sein.

Quelle: Våge et al. BMC Veterinary Research 2010, 6:34

Bindungsverhalten von Tierheimhunden

Forscher untersuchten das Bindungsverhalten von erwachsenen Tierheimhunden gegenüber Menschen. Dazu setzten sie die Hunde in Anwesenheit von zwei Menschen ungewöhnlichen Situationen aus. Hunde neigen in diesem Fall dazu, die Nähe von Personen aufzusuchen, zu denen eine Bindung besteht. Die Hunde wurden in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe traf auf zwei völlig fremde Menschen. Die andere Gruppe traf auf eine Person mit der sie vorher 3 Mal für 10 Minuten sozialen Kontakt gehabt hatte und eine fremde Person.

Die Hunde, die Kontakt mit einer Person gehabt hatten zeigten häufiger Bindungsverhalten gegenüber dieser Person als dem Fremden. Schon die kurze Kontaktnahme reichte den Hunden, Bindungsverhalten zu entwickeln. Die Lebensbedingungen im Tierheim mit relativ wenig sozialen Kontakten zu Menschen scheinen die Motivation der Hunde, Bindungen einzugehen stark zu erhöhen.

Quelle: Gácsi M, Topál J, Miklósi A, Dóka A, Csányi V, J Comp Psychol. 2001 Dec;115(4):423-31

Kleine Ursache, große Wirkung: Hunde schauen sich um -Wölfe nicht

Stellt man Haushunde und sozialisiert Wölfe vor ein unlösbares Problem, zeigen sich deutliche Unterschiede im Verhalten der beiden Spezies: Wölfe versuchen unverdrossen, ihr Problem zu lösen. Hunde die vor einem unlösbaren Problem stehen suchen dagegen Blickkontakt zum Menschen.

Blickkontakt hat eine wichtige Funktion für die Einleitung kommunikativer Interaktionen beim Menschen. Vermutlich hat sich diese Verhalten beim Hund durch positives Feedback während der Domestikation entwickelt.

Quelle: Miklósi A, Kubinyi E, Topál J, Gácsi M, Virányi Z, Csányi V, Curr Biol. 2003 Apr 29;13(9):763-6

Können Hunde Individuen am Gesicht erkennen?

Obwohl bekannt ist, dass Hunde der Mimik von Menschen und Artgenossen Informationen entnehmen, war unklar, ob sie denn auch Individuen am Gesicht erkennen können. Um das zu untersuchen zeigten Forscher Hunden Bilder von bekannten und unbekannten Objekten und Gesichtern. Die Betrachtungsdauer ist dabei ein Indiz dafür, ob das Bild bekannt oder unbekannt ist, denn Unbekanntes wird von den Probanden länger betrachtet. Das trifft auch auf Hunde zu.

Präsentiert man den Hunden nun Bilder von Hundegesichter, Menschengesichtern und beliebeigen Objekten, erkennt man, dass sie die Einzelheiten dieser Bilder wahrnehmen, aber es gibt Unterschiede in den verschiedenen Kategorien:

Unbekannte menschliche Gesichter und Objekte wurden länger betrachtet als unbekannte Hundegesichter. Im Gegenteil: bekannte Hundegesichter wurden länger betrachtete als unbekannte.Fazit: Hunde erkennen Individuen am Gesicht.

Quelle: Racca A, Amadei E, Ligout S, Guo K, Meints K, Mills D, Anim Cogn. 2010 May;13(3):525-33

Asymmetrisches Schwanzwedeln und was es uns sagen möchte

Eine bilaterale Asymmetrie in der Amplitude des Schwanzwedelns ruft unterschiedliche Reaktionen beim beobachtenden Hund hervor: Wedelt es eher rechts, neigt der „Angesprochene“ eher zur Annäherung, wedelt’s links zieht er sich eher zurück. Das haben kanadische Forscher mit einer lebensechten Hundeattrappe und vielen lebenden Hunden herausgefunden. Das zeigt: die Richtung des Schwanzwedelns enthält für den Hund Informationen.

Quelle: Artelle KA, Dumoulin LK, Reimchen TE, Laterality. 2010 Jan 19:1-7

Soziale Intelligenz im Haushund ist angeboren

Hunde verstehen kommunikative Signale des Menschen erstaunlicherweise besser als Menschenaffen. Doch wie sieht es mit ihren nächsten Verwandten, den Wölfen aus? In einer Studie untersuchten Wissenschaftler, inwiefern Hunde und Wölfe diese Eigenschaften teilen.

Sie unterzogen verschiedene Gruppen von Hunden oder Wölfen einem so genannten Objekt-Wahl-Test. Dabei wird in einem von zwei identischen Behältern eine Belohnung versteckt und der Proband darf sich für eines der Gefäße entscheiden. Enthält es die Belohnung, darf er sie behalten.

Der Experimentator gibt dabei ein kommunikatives Signal. Er deutet auf das „richtige“ Gefäß, berührt es oder sieht es auch nur an.

Die Mehrzahl der Hunde versteht und nutzt eine Vielzahl solcher Signale, um an die Belohnung zu kommen.

Im Gegensatz dazu verstehen es Wölfe nicht, diese kommunikativen Gesten für sich zu nutzen und schneiden im Test entsprechend schlechter ab. Wölfe sind aber nicht dümmer als Hunde. Werden in einem Test nicht-soziales Leistungen gefordert, wie zum Beispiel Erinnerung, unterscheiden sich Wölfe und Hunde nicht in ihrer Leistung.

Führt man des Test mit Welpen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Sozialisierung durch, findet man keinen Unterschied zu den Leistungen der erwachsenen Haushunde. Dabei spielt das Alter der Welpen keine Rolle und auch nicht, wie sie ihr bisheriges Leben verbracht hatten. Es war egal, ob die Welpen in der Gesellschaft von Menschen oder mit nur spärlichem Kontakt zum Menschen aufgewachsen waren. Damit kann ein Lerneffekt während der Individualentwicklung ausgeschlossen werden.

Das zeigt, dass das Verstehen kommunikativer Signale des Menschen den Haushunden eigen ist. Diese Eigenschaft ist angeboren und hat sich während der Domestikation entwickelt.

Quelle: The Domestication of Social Cognition in Dogs Brian Hare, Michelle Brown, Christina Williamson and Micheáel Tomasello Science 2002 (298): 1634-1636

Gehorsam ist abhängig von der Aufmerksamkeit des Menschen

Der Gehorsam von Haushunden gegenüber ihrem Besitzer wurde getestet. Der Besitzer erteilte dem Hund einen Befehl und widmete sich danach für eine Minute verschiedenen Aktivitäten: entweder beobachtete er den Hund, sah fern oder las, kehrte dem Hund den Rücken zu oder verließ den Raum.

Das Verhalten der Hunde hing stark vom Verhalten des Besitzers ab. Unter Beobachtung war die Mehrheit der Hunde gehorsam und führte den Befehl aus. Anders dagegen, als der Besitzer dem Hund keine Beachtung schenkte. Das zeigt, dass Hunde sehr wohl wissen, wann die Aufmerksamkeit des Menschen bei ihnen ist. Sie nutzen dazu wahrnehmbares Verhalten des Menschen, wie Körperorientierung oder Augenkontakt.

Quelle: Schwab C, Huber L., J Comp Psychol. 2006 Aug;120(3):169-75.